Eine Lanze für das Zocken

Muss man denn wirklich zocken? Bietet uns das Golfspiel etwa nicht genügend Herausforderung? Ich verstehe Ihre Einwände, aber ich breche an dieser Stelle einmal eine Lanze für das Zocken, denn es hat auch sein Gutes:

  • Man lernt die Regeln, und nur solide Regelkenntnisse schützen vor unerwarteten Strafschlägen oder verpassten freedrops.
  • Es zwingt zum fairplay. Eine gezielte Bemerkung beispielsweise in dem Tenor: "Oh, wie ich dieses Wasserloch hasse", wird nicht ohne mentale Revanche bleiben und das ist auch gerecht so! Es sei denn, man spielt in einer festen Gruppe und psychologische Kriegsführung ist erlaubt.
  • Es trainiert und stärkt unser Nervenkostüm.
  • Das strategische Spiel wird besser, weil das strategische Denken trainiert wird.
     

Was vorher geklärt sein muss, sonst macht das Zocken weder Spaß noch Sinn:

Das Handicap muss stimmen, es muss fair sein. Wird es zu hoch angegeben, spielt keiner gerne mit einem, weil das Verlieren für ihn vorprogrammiert ist.

Wird es zu niedrig angegeben, verliert man selber zu oft, und das macht auch keinen Spaß. Und Spaß ist schließlich einer der entscheidenden Aspekte beim Zocken! Wichtig ist, dass sich alle Beteiligten einig sein sollten, dass sie hier ja nicht die nächste Urlaubsreise finanzieren wollen, sondern dass das Ziel ist, besser Golf zu spielen, und zwar unter Druck.

  • Die gemütlichen Runden sind vorbei: Schluss mit Besserlegen und anderen freundlichen Vergünstigungen – es sei denn, die Platzregeln verlangen es.
  • Alle Putts ausputten. Auch das zwingt zur Disziplin.
  • Streng nach den Regeln spielen, ist angesagt. Dabei ist es oft sinnvoll, einen "provisorischen Ball" zu spielen. Vielleicht ertappen Sie sich, wenn Sie ehrlich sind, beim Nachdenken dabei, dass Sie, wie ich, alleine sowieso, aber auch in privaten Runden bei einem verlorenen Ball oder einem Ausball eigentlich nie zurückgehen.
     

Empfehlung

  • Zocken Sie in einer festen Gruppe. Sie werden feststellen, dass keiner am Ende der Saison reich geworden ist, was jeden auch irgendwie beruhigt und die Freundschaft unterstützt.
  • Zocken mit Fremden ist mit Vorsicht zu genießen. Hier habe ich von meinen schottischen Golffreunden etwas Vernünftiges gelernt: "Let's adjust after nine holes" – nach neun Löchern werden die die Handicaps angepasst und korrigiert. Das hat Sinn und entspricht dem fairplay.
  • Der Spaßfaktor ist riesengroß. Allein das Verhandeln ( z.B. über die Erhöhung des Handicaps wegen der durchzechten Nacht, der Besuch der Schwiegermutter oder der gezerrte Rücken) ist das Salz in der Suppe.
     

Zwei Spielsysteme

Eine Variante, die wir immer in der Nationalmannschaft gespielt haben, gefällt mir immer noch sehr, weil ich dabei in erster Linie gegen mich selbst spiel und erst dann gegen meine Mitspieler. Mein Gewinn oder Verlust hängt einzig und allein von meinem Spiel ab – und nicht von dem meiner Mitspieler..

Dieses Spiel ist auch hervorragend geeignet für eine feste Gruppe, die das eingespielte Geld sammelt und am Ende der Saison gemeinsam verprasst. Hier war mir eine Herrenrunde in St. Moritz ein Vorbild. Mit dem eingespielten Geld wurde verreist, und auf meine Frage, wohin denn, bekam ich folgende Antwort: Vielleicht für ein Wochenende nach Bern oder auf die Bahamas!

Was für ein ebenso raffiniertes wie nettes Belohnungs-System: Diejenigen, die viel einzahlen mussten, also oft Pech gehabt hatten, konnten sich als die größten Sponsoren der Gruppe fühlen – wenn sie sich nicht aufgeopfert und von Zeit zu Zeit eine schlechte Runde gespielt hätten, kämen sie wahrscheinlich mit dem Geld nicht einmal über den Julier-Pass!
 

Wertung

  • 3 Putts – 1 minus Punkt
  • chipp plus 2 Putts – 1 minus Punkt
  • Doppelbogey – 1 minus Punkt
  • bei einem Par 3 das Grün nicht treffen – 1 minus Punkt
  • mit einem Putt einlochen – 1 plus Punkt
  • Bunkerschlag und mit einen Putten lochen – 1 plus Punkt
  • Birdie – 1 plus Punkt
  • Chip und ein Putt – 1 plus Punkt
  • am Par 3 nearest-to-the-pin – 1 plus Punkt

Pro minus Punkt wird dann ein Betrag gezahlt und am besten gemeinsam ausgeben. Es können davon z.B. die Drinks oder Kaffee und Kuchen nach der Runde bezahlt werden. Der Fantasie sollte keine Grenze gesetzt werden.

Wichtig ist, dass sie Spaß haben und viel Theater machen! Mein Freund George Cubbage, Mitglied in St. Andrews, bezahlte grundsätzlich in kleinen Münzen, verwies permanent auf seine angespannten finanziellen Verhältnisse und wir sollten doch bitte Erbarmen haben, weil sein drittes Enkelkind unterwegs sei.
 

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